AUFBRUCH Frühjahrssymposium

Im Graduiertencluster wird das Frühjahrssymposium von den Promovierenden selbst organisiert. Mit nur leichter Hilfestellung der Koordination aus dem Hintergrund ist es an den Nachwuchskräften, ein Thema auszuwählen, Vorträge einzuladen, das Catering und alles weitere zu organisieren und die Veranstaltung vor Ort durchzuführen. Nachdem im letzten Jahr die Doktorandinnen und Doktoranden der RWTH Aachen des erste Frühjahrssymposium ausgerichtet hatten, machten sich in diesem Jahr die Promovierenden der FH Aachen und des FZ Jülich daran, die schon hohe Messlatte der Vorgänger zu überspringen. Der Einladung in die Räumlichkeiten der FH Aachen am Campus Jülich folgten über 100 Personen, die im Folgenden nicht nur als besondere Überraschung Kekse und Popcorn verspeisen durften, sondern auch eine ganze Reihe hochkarätiger Vorträge verfolgen konnten. 

Getreu dem Tagesmotto „Growing Green – Von der Forschung zur Großindustrie“ begann zunächst Prof. Dr. Wolfgang Wiechert vom Forschungszentrum Jülich. In seinem möglicherweise letzten offiziellen Vortrag vor dem Ruhestand gab er einen Überblick, wie Digitalisierung und Automatisierung mit der Biotechnologie über die Jahre hinweg wechselwirkten. Ausgehend von seiner eigenen Promotion über seine frühen Forschungen resümierte er, dass heutzutage die Datenauswertung einen wesentlich größeren Teil der Arbeit als die Datenerhebung einnimmt. Im Mittelpunkt seines Vortrags standen daher Methoden, um die Datenanalyse biotechnologischer Prozessdaten zu beschleunigen und die kombinatorische Komplexität biotechnologischer Entwicklungen zu bewältigen sowie die Notwendigkeit intelligenter Automatisierung. 

Eine ganz andere Perspektive beleuchtete der Vortrag von Dr. Florian Siekmann, der sich mit den Wechselwirkungen von Öffentlichkeit und Wissenschaft befasste. Er zeigte, dass die Bioökonomie ein komplexer Transformationsprozess mit vielen unterschiedlichen Stakeholdern ist, die jeweils eigene Perspektiven und Interessen haben. Der Begriff „Bioökonomie“ wird dabei nicht einheitlich verstanden: Während er in Wissenschaft und Industrie mit Biotechnologie und Produktion verbunden ist, wird er in der Bevölkerung eher mit nachhaltigen Ressourcen und Landwirtschaft assoziiert. 

Im nächsten Vortrag von Dr. Gerd Unkelbach wurde deutlich, wie stark sich die Papierindustrie am Beispiel von UPM aktuell transformiert. Neben den traditionellen Papierwerken, die grundsätzlich schon immer eine Art bio-basierte Raffinerie waren und heutzutage sehr bereits sehr durchoptimiert sind, hat UPM nun zusätzlich die Bioraffinerie am Standort Leuna in Betrieb genommen, um auf Basis von Buchenholz Chemikalien wie MEG zu produzieren.  

Der nächste Vortrag wandte sich den Start-Ups zu: Dr. Michael Osthege berichtete über die Herausforderung und seine Lösungsansätze, biotechnologische Prozesse effizient vom Labormaßstab in die industrielle Anwendung zu überführen. Ausgehend von einer „Mini Pilot Plant“ entwickelten er und seine Kollegen ab 2015 mit dem MiBioLab eine Plattform für industrielle Screening- und Optimierungsprojekte – verbunden dem Aufbau eines tragfähigen Geschäftsmodells bezüglich Preisgestaltung, Kundenfit und Projektbewertung.  

Dr. Andreas Michels von EW Nutrition Innovation berichtete von Innovationen in der Futtermittelproduktion innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette. Ein zentraler Ansatz ist der Einsatz von Enzymen wie Xylanasen, die pflanzliche Futterbestandteile besser verfügbar machen. Diese Enzyme bauen schwer verdauliche Ballaststoffe (z. B. Hemicellulose) ab und erhöhen dadurch die Nährstoffverfügbarkeit und Futtereffizienz. 

Den Abschluss bildete ein eindrucksvoller Beitrag von Dr.DoreenSchachtschabel (BASF), der die zentralen Herausforderungen und Lösungsansätze der heutigen Landwirtschaft beleuchtete. Ausgangspunkt war der zunehmend wachsende „Food Gap“. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, verfolgt BASF eine umfassende Innovationsstrategie: Sie reicht von leistungsstarken Rapssorten mit erhöhter Widerstandsfähigkeit und optimiertem Ölgehalt über biologische Ansätze zur Bekämpfung von Schädlingen bis hin zur PodShatterTechnology, die Ernteverluste gezielt reduziert. 

In einer abschließenden Diskussionsrunde nahmen neben Frau Dr. Schachtschabel auch Prof. Dr. Markus Biel und Prof. Dr. Veit Wascholowski teil, die alle eine gemeinsame (teils natürlich ehemalige) Tätigkeit bei der BASF verband. Auf dieser Basis entspann sich eine lebhafte Unterhaltung über Lebenswege, Karriereschritte und persönliche Ziele. 

Für AUFBRUCH und insbesondere für das Organisationsteam war der Tag ein großer Erfolg, der entsprechend auch von den Anwesenden gelobt wurde. Wir freuen uns schon darauf, was das nächste Team im Frühjahr 2027 auf die Beien stellen wird!