Wandel weiterdenken – AUFBRUCH Sommer Event
Am 10. Juli fand das Sommerevent unseres Graduiertenclusters AUFBRUCH in Aachen statt. Nachdem wir uns im ersten Jahr mit der derzeitigen Situation im Revier beschäftigt hatten, und dazu neben einigen Kommunen auch den Tagebau Garzweiler besucht hatten, war es nun an der Zeit, den „Wandel weiterzudenken“.
Die einleitenden Worte der Aachener Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt machten klar, dass Strukturwandel für Aachen kein neues Thema ist. Viele Industrien haben sich im Laufe der Zeit wandeln müssen. So ist die ursprüngliche Textilindustrie verschwunden, hat aber starke innovative Institutionen wie das DWI oder das ITA an der RWTH hinterlassen, die nun Startups und Zukunftstechnologien hervorbringen. Von der Nadelindustrie hingegen ist den Aachenern nur der traditionelle Gruß „Klenkes“ geblieben. Das zweite Grußwort von Dr. Kira Kauffmann (MWIKE) gab noch einmal eine fundierte Einordnung vom Ankerprojekt AUFBRUCH in die Wirtschafts- und Nachhaltigkeitspolitik von Nordrhein-Westfalen: Neue Technologien, exzellente Fachkräfte und zukunftsweisende Start-Ups sind unverzichtbar, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen.
Den Blick über den Tellerrand ermöglichten uns im Anschluss vier Vortragende aus anderen Regionen innerhalb von Deutschland, die bereits Transformationsprozesse durchlaufen haben oder ebenfalls mitten in der Transformation stecken: Prof. Manfred Renner (Fraunhofer UMSICHT) zeigte, welchen Wandel das Ruhrgebiet (und insbesondere die Stadt Oberhausen) über die Jahrzehnte durchlaufen hat und welche bedeutende Rolle UMSICHT aktuell dabei einnimmt.
Dr. Thomas Maurer von der Forschungsallianz Land-Innovation-Lausitz sprach zum Lausitzer Strukturwandel und betonte, wie sehr die Folgen des Klimawandels in der Region bereits spürbar sind. Um eine nachhaltige Bioökonomie zu etablieren, ist eine klimaangepasste Landnutzung mit neuen Wertschöpfungspfaden daher unumgänglich. Diese neuen Wertschöpfungsketten sind zudem auch nötig, um die negativen Auswirkungen des Strukturwandels und den Wegfall der fossil-basierten Industrien auszugleichen.
Prof. Manfred Kircher (KADIB / BioBall e.V.) zeigte in seinem Vortrag, dass der Strukturwandel nicht allein ein ländliches Problem ist, sondern auch große Metropolen ihm unterworfen sind. Bioball fördert die stoffliche Nutzung von Reststoffströmen und hat zahlreiche spannende Projekte in diesem Bereich begleitet, die ungenutzte wirtschaftliche Reserven heben.
Zum Abschluss der externen Perspektiven ging es noch einmal zurück in den Osten Deutschlands: Dr. Christine Rasche sprach in ihrer Doppelfunktion für das Fraunhofer CBP und BioZ. Am Industriepark Leuna hat sich das Fraunhofer CBP zu einem führenden Zentrum der biotechnologischen Prozessforschung entwickelt. BioZ verbindet Partner, um Wertschöpfungsketten auf Basis biobasierter Rohstoffe, Koppelprodukte und Nebenerzeugnisse zu entwickeln.
Nach der Mittagspause gaben die sechs Innovationsbereiche in AUFBRUCH ein Update zum Stand der Forschungsgebiete. Prof. Regina Palkovits (RWTH Aachen / FZ Jülich) koordiniert nicht nur den Graduiertencluster, sondern stellte auch IB-1 vor: Umwandlung kohlenhydratreicher Reststoffströme in Ethylen- und Propylenglykol. Im Anschluss zeigte Prof. Petra Siegert (FH Aachen), wie weit IB-2 mit dem Thema „Neue Recycling-Konzepte für Kautschuk“ gekommen ist. Prof. Marco Oldiges (FZ Jülich, RWTH Aachen) sprach stellvertretend für IB-3 über die Immobilisierung von Biokatalysatoren für modulare Produktionsanlagen, bevor sich die über 90 Teilnehmenden noch einmal in einer Kaffeepause vernetzen konnten.
Im Anschluss ging es an die restlichen Innovationsbereiche: IB-4, vorgestellt durch Prof. Dörte Rother (FZ Jülich, RWTH Aachen), beschäftigt sich mit der Chemo-enzymatische Synthese von Bioplastik und chiralen Feinchemikalien, IB-5 mit der Synthese neuartiger Carbonsäureester zur Formulierung grüner Weichmacher und Schmiermittel, was Prof. Holger Beckmann von der Hochschule Niederrhein dem Publikum näher brachte. Der letzte Innovationsbereich wurde von Prof. Ulrich Schörken der TH Köln vorgestellt, Thema ist hier die Entwicklung neuer Biotenside.
In ihren abschließenden Worten machten Dr. Tobias Klement (CLIB) und Prof. Regina Palkovits noch einmal deutlich, dass es alles andere als selbstverständlich ist, wie gut in AUFBRUCH über die Disziplinen und Fachbereiche hinweg zusammengearbeitet wird. Wir freuen uns auf das anlaufende zweite Jahr von AUFBRUCH!

