Webinarrückblick: Insekten in der Kreislaufwirtschaft

Chancen und Anwendungsmöglichkeiten – Insekten für eine zirkuläre Zukunft

Die beiden Interreg-Projekte Agropole Innovates und Realise-Bio widmen sich der Stärkung deutsch-niederländischer Zusammenarbeit und der Förderung von Innovationen in der Agrarbranche. Da sich auch beide Projekte auch mit der neu aufkommenden Thematik der Nutzung von Insekten zur Proteingewinnung in der Landwirtschaft beschäftigen, bot sich die Gelegenheit, eine gemeinsame Online-Veranstaltung zu organisieren und über beide Netzwerke einzuladen. Zunächst gab es einen kurzen Einblick in die beiden Projekte, bevor drei Experten unterschiedliche Perspektiven auf die Nutzung von Insekten in der Kreislaufwirtschaft präsentierten.

Bob Holtermans von InsectEngineers & InsectSchool stellte die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Schwarzen Soldatenfliege vor. Neben den Entwicklungsstadien, -zeiten und den aus Insekten gewonnenen Produkten (Proteinmehl, Öl und Frass) ging es um die Potenziale bei der Fütterung. Diese Insektenart kann mit nahezu allem gefüttert werden und auch Abfälle in wertvolles Protein und Frass umwandeln. Deutlich wurde, dass insbesondere regulatorische Hürden in Europa die Nutzung vieler geeigneter Lebensmittelreste als Futtermittel einschränken. InsectEngineers ist weltweit in Projekten aktiv, unter anderem in Kenia, Chile, England, Abu Dhabi, der Türkei, Spanien und den USA, und erprobt unterschiedliche Fütterungsvarianten für eine effiziente Insektenproduktion.

Jan-Christoph Morisse von FarmInsect berichtete, wie sich das Unternehmen in den vergangenen sechs Jahren von einem kleinen Start-up zu seiner heutigen Größe entwickelt hat, und spach über die Herausforderungen auf diesem Weg. Das Unternehmen produziert Anlagen für die Mast der Schwarzen Soldatenfliege und unterstützt Betriebe bei der Produktion. Während das Insektenmehl mittlerweile zunehmend als Fischmehl-Ersatz dient, findet der Insektenfrass aktuell noch besser Abnehmer – etwa als Dünger oder für Biogasanlagen. FarmInsect verzeichnet wachsende Produktionsmengen: Im Jahr 2025 wurden 2 Tonnen Frass gewonnen, für 2026 ist das Doppelte geplant und für 2027 werden 11 Tonnen prognostiziert. Neue Wege beschreitet das Unternehmen durch ein  Projekt in Dubai, bei dem Frass mit Sand gemischt wird, um Böden in Wüstenregionen fruchtbar zu machen.

Prof. Florian Wichern von der Hochschule Rhein-Waal präsentierte Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt Benefits of Frass. Dabei wird Frass von verschiedenen Insektenarten, Futtermitteln und Futterqualitäten untersucht, um dessen Eignung als Dünger zu bewerten. Besonders vielversprechend zeigte sich der Frass der Schwarzen Soldatenfliege, dessen Nährstoffe für Pflanzen oft besser nutzbar sind als die anderer Arten. Gleichzeitig verdeutlichten Keimungsversuche, wie unterschiedlich die gasförmigen Emissionen verschiedener Fraßarten ausfallen: Während manche Fraßarten die Keimung verhinderten (Grillenfraß), hatten andere keine Auswirkung (Schwarze Soldatenfliege).

Die Veranstaltung machte deutlich: Insekten bieten vielfältige Chancen für Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Ernährungssysteme und landwirtschaftliche Innovation – benötigen aber weiterhin Forschung, Praxiswissen und passende regulatorische Rahmenbedingungen.

Verf.: Lena Manten, Agrobusiness Niederrhein e.V.